Über den Innovationshunger einer Branche.

12.04.2019 - Innovation & Venturing

Eindrücke von der Leitmesse „Altenpflege“

„Digitalisierung – das geht nicht weg“ so gibt Keynote Speaker Christian Bredlow seinen Eindruck von den Entwicklungen im Pflegemarkt bei der Eröffnung der Leitmesse Altenpflege in Nürnberg zum Besten. Durch seine von Rap-Elementen auf Digitalisierungs-Buzzwords begleiteten Ausführungen, die das pflegebeteiligte Publikum humorvoll erreichen, spricht er Ängste offen an und räumt sie damit zugleich wieder ab. Der Weg zum Erschließen der Potenziale durch neue Technologien ist noch ein weiter.

Einen Schritt in diese Richtung treibt der Bund durch die Bereitstellung von Fördermitteln, die für Investitionen in digitale Technik für die ambulante und stationäre Pflege eingesetzt werden können. Durch das zum 01. Januar2019 in Kraft getretene „Pflegepersonal-Stärkungsgesetz“ wird diese Förderung formalisiert. Ziel ist die Mittel für Digitale Investitionen zum Zweck der „Entbürokratisierung“ einzusetzen, die bis zu 40% bis maximal 12.000 € für einen nachweisbarenHebel pro Einrichtung gefördert werden .  Unterstützen sollen die Investitionen zum Beispiel bei:

  • der Pflegedokumentation,
  • der Abrechnung von Pflegeleistungen,
  • der Zusammenarbeit zwischen Leistungserbringern und Pflegeheimen,
  • der Dienst- und Tourenplanung,
  • dem internen Qualitätsmanagement,
  • der Erhebung von Qualitätsindikatoren.

Das hört sich zunächst mal sehr positiv und progressiv an. Spricht man mit einzelnen Anbietern solcher Leistungen zeichnet sich allerdings ein ambivalentes Meinungsbild ab. Seit nämlich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn die Digitalisierung einfordert, beschäftigen sich die Einrichtungen mit den Möglichkeiten im Rahmen ihrer Digitalstrategien. Genau dieser Prozess der Strategiedefinition braucht Zeit und verlangsamt zum Teil schnelle Entscheidungen und deren Umsetzung.

Trotzdem herrscht Aufbruchsstimmung in der Pflegebranche, wozu bei der Leitmesse in Nürnberg auch der Innovationsbereich AVENEO mit der Start-up Challenge 2019 beiträgt. 60 Start-up Unternehmen, wovon ein Drittel in diesem Jahr neu am Start ist und seine Ideen in einem kleinen Forum am ersten Tag pitcht. Parallel wird ausgestellt, so dass Besucher sich die Ansätze erklären lassen und diese bewerten können.

Das Spektrum ist vielfältig. Im Zentrum stehen immer Verbesserungen für die wichtigsten Stakeholder: Pflegebedürftige und deren Angehörige, Pflegefachkräfte und Betreiber. Da gibt es eine Lösung, die bettlägerigen Pflegebedürftigen die Zähne putzen kann. Eine andere Lösung („Walk with Path“) ermöglicht Parkinson Patienten durch Lichtsignale schrittweise Bewegungsimpulse zu geben oder vermittelt Feedback über eine vibrierende Spezialsohle zum Untergrund, um Mobilität zu fördern und Sturzgefahr zu reduzieren. Eine weitere App („Nui“) hat ihre Premiere auf der Messe und nutzt einen künstlichen Assistenten, um die Familie, Freunde und Nachbarn von Pflegebedürftigen bei deren Betreuung mit einzubeziehen. „Geteiltes Leid ist halbes Leid“, sagt der Volksmund. Vielleicht läßt sich so der eine oder andere Pfleger-Burn-out vermeiden.

Mit Umsetzung dieser zahlreichen Ideen würde bestimmt einiges an Verbesserungspotenzial gehoben werden. Auf dem Weg dahin sind noch wichtige Schritte zu erreichen wie die Anerkennung als Regelleistung, um die Abrechenbarkeit über die Kassen zu erlangen. Die Regulatorik hat eben gute und weniger gute Aspekte.

Schön, dass sich z.B. von Seiten einzelner Softwareanbieter wie der Firma Cairful Gedanken gemacht wird, wie durch Integration verschiedener Einzellösungen die Innovationen kombiniert und einfacher eingesetzt werden können. So werden ausgehend vom Pflegeprozess Lösungen zur Versorgung mit Kosmetikartikeln (BringLiesel), Kommunikationsplattformen für alle Beteiligten (Life-Manager) bis hin zu persönlichen Pflegerobotern integriert. Vernetzt Denken lautet die Devise und stimmt zuversichtlich.

Ansprechpartner: Ingo Griebl, Associate Partner und Leiter Corporate Venturing Services
Mail. i.griebl@muecke-sturm.de


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